Mit Leidenschaft selbständig werden

Sein eigener Chef sein; ein eigenes Unternehmen haben: Die Selbständigkeit ist für viele reizvoll. Doch eine Geschäftsidee zu haben, reicht nicht. Zum zweiten Mal fand an der Rhema ein Neuunternehmer-Forum statt, an dem erfolgreiche Start-ups von ihren Erfahrungen berichteten.
ALTSTÄTTEN. Seit letztem Jahr hat die Rhema auch eine Tagung für Leute, die von einer Idee dermassen begeistert sind, dass sie diese zu ihrem Lebensinhalt machen und ein Unternehmen gründen: das Neuunternehmer-Forum. Und der Trend zur Selbständigkeit scheint noch zu wachsen – nahmen letztes Jahr noch 200 Unternehmensgründer am Forum teil, so waren es gestern Freitag bereits 250. Das Institut für Jungunternehmen IFJ will angehenden Unternehmensgründern mit dem Forum den Weg zur Selbständigkeit erleichtern. Vier erfolgreiche Start-up-Unternehmen berichteten in der Rhema-Tagungshalle, was ihnen Probleme bereitete und was ihnen half.

Oberrieter Modelabel

Eines der Unternehmen haben zwei Rheintaler gegründet, der Oberrieter Michael Zäch und der Kriessner René Grünenfelder. Unter ihrem Modelabel Carpasus vertreiben sie klassische Herrenhemden: von hoher Qualität und vor allem unter fairen Bedingungen für Baumwollbauern und Textilarbeiter aus nachhaltig produzierten Rohstoffen hergestellt. Nach der Präsentation der ersten Kollektion vor einem Jahr haben Zäch und Grünenfelder sich nun vorgenommen, das Sortiment nach und nach auszubauen, «so dass sich der Mann von Kopf bis Fuss mit nachhaltig produzierter Mode einkleiden kann», erklärte Michael Zäch dem Publikum das selbst gesetzte Ziel.

Nie allein Mittagessen gehen

Anderen, die in die Selbständigkeit starten, gibt Zäch mit auf den Weg: Nie allein Mittagessen gehen – jedes Gespräch bringt Ideen, die einen weiter bringen. Sich auf das fokussieren, was man am besten kann. Und ob aller Arbeit die Leidenschaft für seine Idee nicht verlieren.

Die anderen drei Start-up-Unternehmen, die sich vorstellten, kommen aus dem IT-Bereich. Mateusz Mierzwinski präsentierte LocalBini, eine Plattform, auf der Reisende via Smartphone einen Reiseführer buchen können – keinen beruflichen, sondern einfache Einheimische mit einer besonderen Passion für ihre Stadt. Der Gedanke dahinter ist, dass solche Leute einem einen viel tieferen Einblick in das Land, das man bereist, geben können, als man es bei einer herkömmlichen Stadtführung oder Rundfahrt bekäme.

Mierzwinskis Rat für andere, die sich selbständig machen: mit Leuten zusammenarbeiten, die dieselbe Passion für die Idee aufbringen, die man verwirklichen will. Er zeigte sich auch skeptisch zu den obligaten Businessplänen: «Ich habe nie einen geschrieben – ich habe mich lieber in die Arbeit gestürzt, bevor die Idee sonst jemand umsetzt.»

«Ladies: traut euch!»

Karlheinz Koch ist Gründer der Firma XPonia, die ein System entwickelt hat, welches ein interaktives Museumserlebnis ermöglicht, wobei das eigene Smartphone zum mobilen Führer wird. Auch Koch ist der Ansicht, dass der Erfolg sehr von den Partnern abhängt, mit denen man sich einlässt. Bei XPonia sind dies zu 80 % Frauen. Die Botschaft, die Koch, auch im Namen seiner Geschäftspartnerin Bianca Patkós, mit seiner Präsentation überbrachte, war darum auch: «Ladies – traut euch!»

Raphael Mösch und Tamara Gätzi schliesslich haben mit drei Mitstreitern die Dual Education GmbH in Goldach gegründet und eine Software entwickelt, die Firmen bei der Rekrutierung von Lehrlingen unterstützt. Als Kunden konnten auch bereits Firmen aus dem Rheintal gewonnen werden: Jansen, SFS und Oerlikon Balzers wurden genannt. Nebst einer Reihe weiterer Tips empfahlen Bösch und Gätzi, bei der Umsetzung einer Geschäftsidee auf Herz und Gefühle zu hören, aber dann konsequent alles mit dem Kopf zu überprüfen. Ausserdem solle man restlos alle Erfolge feiern – das helfe über Zeiten hinweg, in denen es nicht so gut läuft. Und vor allem: «Spass haben an dem, was man tut.»

Die Angst kann einen auffressen

Dass es selbst Promis beim Etablieren des eigenen Unternehmens nicht immer rund läuft, zeigt das Beispiel Stéphanie Bergers. Dass sie 1995/96 Miss Schweiz war, sei für sie sowohl Segen als auch Fluch gewesen. Lange sei sie einfach auf die Miss reduziert worden – man traute ihr schlicht nicht mehr zu. Es habe darum viel Durchhaltewillen gebraucht. Einigermassen lukrativ sei es für sie erst vor etwa zwei Jahren geworden. Bis dahin habe sie auch immer wieder die Existenzangst geplagt. «Die kann einen auffressen», sagte die heute erfolgreiche Komödiantin, Moderatorin und Schauspielerin. Wichtig sei in solchen Momenten, nicht in Aktionismus auszubrechen, sondern stattdessen durchzuatmen und analytisch vorzugehen. Und bei allem Effort, den man für sein Geschäft aufbringt: «Letztlich braucht es auch immer eine Portion Glück.»

 

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Geschrieben von Max Tinner

Dieser Artikel ist am 30.04.2016 im Rheintaler.ch erschienen. Der Artikel kann unter dem Link angeschaut werden.

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